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Land und Leute :: Hohe Auszeichnung für Ludwig Lipsker
Im Rahmen einer Feierstunde überreichte Ministerpräsident Peter Müller am Montag (28

Im Rahmen einer Feierstunde überreichte Ministerpräsident Peter Müller am Montag (28.7.03) Ludwig Lipsker das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
In seiner Ansprache würdigte Ministerpräsident Müller die besonderen Verdienste des Ordensträgers insbesondere um die jüdisch-christliche Zusammenarbeit.

Ministerpräsident Peter Müller: " Es ist mir eine große Ehre, Ihnen Herr Lipsker, in Anerkennung und Würdigung Ihrer Verdienste um die jüdisch-christliche Zusammenarbeit und den Wiederaufbau des jüdischen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aushändigen zu können. Mit dieser hohen Auszeichnung erfährt Ihr langjähriges und von nachhaltigem Erfolg gekennzeichnetes Engagement eine gebührende Würdigung:"

An der Feierstunde nahmen auch der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel und Dr. Hanna Sperling, Direktoriumsmitglied des Zentralrates und Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Westfalen teil.
Ludwig Lipsker ist gebürtiger Homburger. Ende 1935 emigrierte er mit seinen Eltern nach Palästina, nachdem sich die Saarländerinnen und Saarländer in der Abstimmung vom 13. Januar 1935 für die Rückgliederung des Saarlandes an Deutschland ausgesprochen hatten. Er absolvierte während des Befreiungskrieges seine Militärzeit in Israel; danach fuhr er als Offizier der israelischen Handelsmarine zur See. Im Jahre 1954 kehrte er ins Saarland zurück und baute sich durch kaufmännische Betätigung eine Existenz auf.

1946 wurde die Synagogengemeinde Saar gegründet, in der Ludwig Lipsker sich seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich an entscheidender Stelle engagiert. 1970 wurde er Mitglied der Repräsentanz, sechs Jahre später stellvertretender Vorsitzender und war von 1983 bis 1988 Vorsitzender der Repräsentanz der Synagogengemeinde Saar. Danach hatte er für zehn Jahre das Amt des Vorsitzenden des Vorstandes der Synagogengemeinde Saar inne. Anschließend wurde er bis heute wieder Vorsitzender der Repräsentanz.

Darüber hinaus stand er lange Jahre dem Finanzdezernat vor und verwaltete ehrenamtlich die Immobilien der Gemeinde. Sein besonderes Anliegen war es, die Synagogengemeinde Saar langfristig materiell abzusichern. So hat Ludwig Lipsker im Jahre 1993 Verhandlungen mit der saarländischen Landesregierung aufgenommen, um eine staatsvertragliche Regelung über finanzielle Zuwendungen zu erreichen. 2001 wurde mit der saarländischen Landesregierung ein entsprechender Vertrag unterzeichnet. Darin wurde der Synagogengemeinde Saar eine jährliche finanzielle Unterstützung in Höhe von 370.000 Euro rechtsverbindlich zugesagt. Bei der Vertragsunterzeichnung, die am 14. November 2001 stattfand, unterstrich Ministerpräsident Peter Müller, dass das Saarland einen rechtsverbindlichen Beitrag leiste, damit die Synagogengemeinde ihre Mitglieder religiös, sozial und kulturell betreuen und ihre Kinder und Jugendlichen im Sinne des Judentums erziehen kann. "Mit der Vertragsunterzeichnung bekennt sich das Saarland zu seiner in der deutschen Geschichte begründeten Verantwortung gegenüber den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern". Der Vertrag enthielt neben der festgeschriebenen finanziellen Unterstützung auch eine Regelung, nach der jüdische Mitbürger künftig ihre Feiertage einhalten können. Der Vertrag wurde zunächst auf eine Laufzeit von fünf Jahren festgelegt, er verlängert sich aber automatisch, wenn er nicht gekündigt wird.
Ludwig Lipsker kümmerte sich auch um die Verbesserung der Lebenssituation von jüdischen Zuwanderern aus den GUS-Staaten. Er leistete wertvolle Hilfe bei der Wohnungsbeschaffung und setzte sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Übergangslagern ein. Während mehrerer Jahre, als in Saarbrücken noch kein Rabbiner fungierte, erteilte er jeden Sonntag Religionsunterricht für die erwachsenen Zuwanderer.

Als Mitglied im Kultusdezernat der Synagogengemeinde half Ludwig Lipsker oft ehrenamtlich als Vorbeter bei Jahreszeitgottesdiensten, am Schabbat und an Jom Kippur aus. Bis vor einigen Jahren war er aktives Mitglied der "Chewra Kaddischa". In seiner langjährigen Tätigkeit als Vorsitzender des Sozialdezernates setzte er sich auch für materiell benachteiligte Gemeindemitglieder ein.
Als Vertreter der Synagogengemeinde Saar gehörte er seit 1990 dem Verwaltungsausschuss des Saarbrücker Altenwohnstiftes an; von 1991 bis 1999 war er deren Vertreter im Rundfunkrat des Saarländischen Rundfunks. Seit mehr als 15 Jahren ist Ludwig Lipsker Mitglied im Direktorium des Zentralrates der Juden in Deutschland, der ihn als überaus wichtiger und wertvoller Ratgeber in Fragen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit und Herkunft schätzt.

Darüber hinaus kümmerte er sich stets um den Dialog mit den christlichen Kirchen und auch im allgemeinen mit der nicht-jüdischen Umwelt. Er war in den siebziger und achtziger Jahren jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes. Über 16 Jahre lang hat er die Arbeit dieser Gesellschaft mitbestimmt und mitgetragen. Bei der Verständigung und Versöhnung zwischen Christen und Juden in der deutschen Nachkriegsgeschichte war er ein wichtiger Zeitzeuge, der mit großer Offenheit die jüdische Bereitschaft und Fähigkeit zum Dialog repräsentierte. In zahlreichen Veranstaltungen der Synagoge, aber auch an anderen Orten prägte er die erzieherische religiös-theologische kulturelle und politische Arbeit der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes erfolgreich mit.

Über viele Jahre hat er als Repräsentant der Synagogengemeinde Saar in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Saarbrücken den Gast-Status dort wahrgenommen.
Ludwig Lipsker wurde von Bundespräsident Rau auf Vorschlag von Ministerpräsident Peter Müller mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Quelle: http://www.saarland.de

Autor: 123-team
 
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